Werbung in ChatGPT

Werbung in ChatGPT: Lohnt sich das für Dich?

Seit Ende August gibt es Werbung in ChatGPT auch in den europäischen Märkten, und Deutschland steht inzwischen als Land mit Self-Service-Zugang im Ads Manager (OpenAI, Ads Manager Availability, Stand September 2026). Du kannst also selbst Werbung in ChatGPT schalten. Seitdem taucht die Frage überall auf, in Newslettern, in meiner Mastermind, in meinem Postfach: Muss ich da jetzt rein, bevor es alle machen?

Die Antwort dauert ein paar Minuten, lohnt sich aber. Das Argument dahinter gilt nämlich auch für die nächste Plattform, die uns in einem halben Jahr als „das solltest Du unbedingt testen“ verkauft wird.

👉 Wie Werbung in ChatGPT technisch funktioniert und warum das Targeting anders ist als bei Meta

👉 Was 3 Agenturen mit echtem Budget gemessen haben

👉 Was ein Test kosten würde und für wen er sich lohnen kann

Ich habe mir die Werberichtlinien von OpenAI angesehen und alles zusammengesucht, was es bisher an belastbaren Zahlen gibt. Stand ist der 9. September 2026, und dieses Datum ist wichtig: Die Richtlinien wurden seit ihrer Erstveröffentlichung im März 2026 schon 5-mal überarbeitet, zuletzt am 31. August (OpenAI Ad Policies, Changelog).

Was Werbung in ChatGPT überhaupt ist

Unterhalb der Antwort von ChatGPT taucht eine kleine Karte auf, mit Bild, Überschrift und einer kurzen Beschreibung. Mehr Formate gibt es aktuell nicht. Technisch darf die Überschrift 3 bis 50 Zeichen lang sein und die Beschreibung bis zu 100 Zeichen. In der Praxis wird beides früher abgeschnitten, als die offiziellen Limits vermuten lassen, das hat die Agentur Workshop Digital in ihrem Test beobachtet (Workshop Digital, August 2026). Viel Platz hast Du also nicht. 🙂

Interessant ist das Targeting. Du buchst weder Keywords noch Interessen, sondern beschreibst in ganzen Sätzen eine Situation. Im Ads Manager heißen diese Angaben „Context Hints“. Etwa: „Selbstständige, die Leads gewinnen, aber Interessent:innen nicht systematisch bis zum Kauf begleiten.“ ChatGPT schaut dann, ob ein laufendes Gespräch zu dieser Beschreibung passt. Bei Meta unterbrichst Du jemanden beim Scrollen, hier tippt jemand vielleicht gerade „Wie bekomme ich mehr Kunden?“ und Deine Anzeige steht direkt darunter. Das ist eine ganz andere Ausgangslage, und deshalb finde ich das Thema auch nicht albern.

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Und jetzt der Haken: Wer die Anzeigen überhaupt zu sehen bekommt

Die Zahl, die gerade überall herumgereicht wird, klingt gewaltig: knapp 1 Milliarde Menschen nutzen ChatGPT wöchentlich (Branchenauswertungen, Stand August 2026, OpenAI selbst spricht im eigenen Hilfe-Center von „hunderten Millionen“).

Aber: Werbung bekommen ausschließlich Leute im kostenlosen Tarif und im Go-Tarif zu sehen. Alle anderen Tarife, also Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu, sind komplett werbefrei (OpenAI Help Center, Ads in ChatGPT). Wer im kostenlosen Zugang keine Werbung möchte, kann sie außerdem abstellen und nimmt dafür ein niedrigeres Nachrichtenlimit und ein paar fehlende Funktionen in Kauf. Dazu kommen ein paar Bereiche, in denen grundsätzlich nichts ausgespielt wird: in den temporären Chats zum Beispiel, und an Accounts, die als unter 18 erkannt werden.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, wie viele Menschen ChatGPT benutzen. Sondern: Ist Deine Wunschkundin überhaupt in dem Teil unterwegs, der Werbung sieht?

Was 3 Agenturen gemessen haben

3 nordamerikanische Anbieter haben ihre Kampagnendaten offengelegt, alle mit eingerichtetem Conversion-Tracking:

  • Choice OMG aus Kanada: 8.940 Einblendungen, 58 Klicks, eine Klickrate von 0,65 % und keine einzige qualifizierte Anfrage (Choice OMG, Kampagne Juni 2026).
  • SE Ranking: über 97.000 Einblendungen und 1.263 Klicks bei einer Klickrate von 1,30 %, daraus wurden nach eigener Aussage nur „sehr wenige“ Anmeldungen (SE Ranking via MediaPost, August 2026).
  • Workshop Digital aus den USA: 69.630 Einblendungen, 739 Klicks, 2.319 Dollar Budget, ebenfalls keine qualifizierte Anfrage (Workshop Digital, August 2026).

3 Kampagnen sind noch keine Statistik, das ist klar. Interessant finde ich aber die Erklärung, die Choice OMG selbst dafür liefert: Die Entscheider:innen, die sie erreichen wollten, hätten überwiegend einen bezahlten und damit werbefreien Zugang. Eingekauft haben sie am Ende die falsche Hälfte des Publikums.

Der Vergleich, den Workshop Digital mitliefert, ist dabei fast noch aufschlussreicher: In derselben Zeit kostete ein Klick bei ChatGPT 3,14 Dollar und brachte 0 qualifizierte Anfragen, ein Klick bei Google Search kostete 6,76 Dollar und brachte 2 davon (Workshop Digital, August 2026). Der günstigere Klick war am Ende der teurere Kanal.

Was das für Dich heißt, je nachdem, an wen Du verkaufst

Wenn Deine Kund:innen selbst selbstständig sind

Coaches, Beraterinnen, Trainerinnen, Solo-Unternehmerinnen arbeiten inzwischen fast alle täglich mit ChatGPT. Und wer das Tool täglich braucht, landet früher oder später in einem bezahlten Tarif. Ab dann ist sie für Werbung schlicht nicht mehr erreichbar. Je besser jemand auf Deine Wunschkundin passt, desto geringer ist also die Chance, dass Deine Anzeige sie überhaupt erreicht. Für Dich ist der Kanal im Moment einfach der falsche Ort. Dein Geld steckst Du besser in Deine E-Mail-Liste, wie das systematisch geht, liest Du im Beitrag zum E-Mail Funnel aufbauen.

Wenn Du an Privatpersonen verkaufst

Hier sieht die Sache anders aus. Wer ChatGPT privat und gelegentlich nutzt, hat selten einen Grund, dafür zu bezahlen, und bleibt deshalb viel häufiger im kostenlosen Zugang. Deine Zielgruppe ist damit tatsächlich in dem Teil vertreten, den Du buchen kannst. Das ist gerade die einzige Konstellation, bei der ich einen Test überhaupt spannend finde. Mit überschaubarem Budget und ohne große Erwartung, wohlgemerkt.

Wenn Du im Gesundheitsbereich arbeitest

Für Dich ist die Tür zu, und das gleich doppelt. Die Werberichtlinien halten fest, dass Anzeigen für Gesundheitsleistungen außerhalb der USA generell nicht zugelassen sind. Und unter den unzulässigen Wellness-Versprechen wird „health coaching“ ausdrücklich genannt, in einer Reihe mit Diätpillen, Detox-Programmen und Nahrungsergänzung mit unbelegten Wirkversprechen (OpenAI Ad Policies, Stand 31.08.2026). Fairerweise gibt es eine Grauzone: Allgemeine Fitness- und Wellnessangebote ohne medizinische Aussagen sind erlaubt, als Beispiele nennt OpenAI Fitnessgeräte, Trainingsprogramme und allgemeine Ernährungsprodukte. Sobald Du jemanden aber bei konkreten Beschwerden begleitest, greift das Verbot. Und selbst wenn Du in dieser Grauzone sauber unterwegs bist, bleibt die zweite Hürde: In Gesprächen über körperliche und seelische Gesundheit wird gar keine Werbung ausgespielt, das zählt bei OpenAI als sensibler Kontext. Genau die Gespräche also, in denen Dein Angebot die richtige Antwort wäre, sind für jede Form von Anzeige gesperrt.

Wenn es bei Dir ums Geld geht

Für Finanzdienstleistungen gilt außerhalb der USA dieselbe Regel wie im Gesundheitsbereich. Erlaubt bleiben reine Bildungsangebote, OpenAI nennt ausdrücklich Kurse und Materialien, die keine Finanzdienstleistung anbieten. Entscheidend ist also, ob Du Wissen vermittelst oder individuell berätst, und diese Linie wird enger gezogen, als man beim Lesen zunächst denkt.

Was ein Test mit Werbung in ChatGPT kosten würde

Das Mindesttagesbudget liegt bei 15 Euro pro Tag und Kampagne (OpenAI Help Center, Minimum Campaign Spend). 2 Wochen kämen also auf etwa 210 Euro.

Bei den Klickpreisen gehen die Angaben weit auseinander. Workshop Digital zahlte im Schnitt 3,14 US-Dollar pro Klick, bei Choice OMG lagen die beiden Kampagnen mit Klickabrechnung bei 4,42 und 4,88 kanadischen Dollar, der Kontodurchschnitt sogar bei 7,16 kanadischen Dollar. Für Deutschland kursieren Schätzungen von 50 Cent bis 2 Euro, belastbar ist davon noch nichts.

An dieser Diskussion würde ich mich allerdings gar nicht festbeißen. Ein Klick bedeutet erstmal nur, dass jemand Deine Seite geöffnet hat. Bis zur Eintragung ist es von dort noch ein ganzes Stück. Und wenn die falsche Hälfte des Publikums klickt, hilft Dir auch ein günstiger Preis nicht weiter.

Häufige Fragen zu Werbung in ChatGPT

Kann ich als Selbstständige aus Deutschland Werbung in ChatGPT buchen?

Ja. Deutschland ist im Ads Manager von OpenAI als Land mit Self-Service-Zugang gelistet (Stand September 2026), Du kannst also ohne Agentur ein Konto anlegen und selbst buchen. Vorausgesetzt, das Unternehmen, das die Rechnung bekommt, sitzt in einem der freigegebenen Länder.

Wer sieht Werbung in ChatGPT überhaupt?

Nur Menschen im kostenlosen Tarif und im Go-Tarif. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind komplett werbefrei. Zusätzlich gibt es im kostenlosen Tarif eine Option, Werbung gegen ein niedrigeres Nachrichtenlimit abzuschalten. Und in temporären Chats sowie bei Accounts, die als unter 18 erkannt werden, läuft grundsätzlich keine Werbung.

Was kostet Werbung in ChatGPT?

Das Mindesttagesbudget liegt bei 15 Euro pro Tag und Kampagne, 2 Wochen kosten Dich also rund 210 Euro. Die Klickpreise lagen in den bisher veröffentlichten nordamerikanischen Tests zwischen 3,14 US-Dollar und 7,16 kanadischen Dollar. Für den deutschen Markt gibt es noch keine belastbaren Werte.

Lohnt sich Werbung in ChatGPT für Coaches und Berater:innen?

Aktuell meistens nicht. Wer selbstständig ist und täglich mit ChatGPT arbeitet, wechselt früher oder später in einen bezahlten und damit werbefreien Tarif. Je genauer jemand Deiner Wunschkundin entspricht, desto unwahrscheinlicher wird es also, dass Deine Anzeige sie erreicht. Genau das haben 3 Agenturen in ihren Tests gemessen, alle 3 ohne eine einzige qualifizierte Anfrage.

Darf ich als Gesundheits- oder Finanzcoach Werbung in ChatGPT schalten?

Nein. Anzeigen für Gesundheits- und Finanzdienstleistungen sind außerhalb der USA generell nicht zugelassen, und „health coaching“ wird in den Richtlinien ausdrücklich als unzulässiges Wellness-Versprechen genannt. Reine Bildungsangebote ohne individuelle Beratung sind die Ausnahme. Dazu kommt: In Gesprächen über Gesundheit wird ohnehin keine Werbung ausgespielt.

Wie funktioniert das Targeting bei Werbung in ChatGPT?

Du buchst keine Keywords und keine Interessen, sondern beschreibst in ganzen Sätzen die Situation, in der Dein Angebot passt. Diese Beschreibungen heißen „Context Hints“ und werden auf Anzeigengruppen-Ebene hinterlegt. ChatGPT prüft dann, ob ein laufendes Gespräch dazu passt. Zusätzlich kannst Du Land, Plattform und eigene Kundenlisten als Zielgruppe hinterlegen.

Fazit

Bei Werbung in ChatGPT musst Du gerade nichts tun. Es schließt sich kein Fenster und Du verpasst nichts. OpenAI kündigt selbst an, dass neue Anzeigenformate, weitere Kampagnenziele und andere Messmethoden dazukommen. Was Du Dir jetzt mühsam beibringst, funktioniert in 6 Monaten vermutlich schon wieder anders.

Wenn Du das Thema trotzdem spannend findest, und besonders wenn Du an Privatpersonen verkaufst: Nimm 200 Euro, die Dir nicht wehtun, richte vorher das Conversion-Tracking ein und leg Dir vorher fest, was ein Lead kosten darf. Und dann schreib mir, was dabei herausgekommen ist, ich bin ehrlich neugierig 🙂

Wenn Du wissen willst, wo KI in Deinem Marketing wirklich etwas bringt, dann lies als Nächstes Online Marketing mit KI.


Quellen, falls Du selbst nachlesen willst: